REGE: Warum Hans das letzte Geld weg gepfändet wurde…

Hans (Name geändert) bezieht SGB XII. Die Sozialhilfe des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Hans ist 35 Jahre alt und nicht erwerbsfähig. Ca. 1 Mio.Menschen befinden sich in Deutschland im SGB XII. Das SGB XII, sprich, Römisch Zwölf, ist nicht HartzIV, das wäre das SGB II, sprich, Römisch Zwei.

Hans lebte bei seiner Mutter in Reinheim. Als diese in einem Pflegeheim untergebracht wurde, konnte Hans ohne die Rente seiner Mutter nicht mehr für die Miete der Wohnung aufkommen. Er kam in einer 45 Quadratmeter großen Wohnung unter.
Hans erhält 424 € des Sozialgeldes. Davon wurden Hans 10% für die Mietkaution als Darlehen abgezogen. Also hatte Hans noch 381,60 €.

Es kommt noch schlimmer: Hans wurden für ein Darlehen der Erstausstattung weitere 42,40 € abgezogen. Also hatte Hans noch 339,20 zum Leben.

Und noch schlimmer: Hans musste auch den Haushaltsstrom in Höhe von 50 € an den Vermieter der Wohnung zahlen, also hatte er noch 289,20 € pro Monat zur Verfügung.
Seine Handyrechnung von 10 € pro Monat musste auch noch, neben Altschulden, bezahlt werden. So hat Hans nur noch ca. 250 € pro Monat – von den 424 € zum Leben übrig—Ganz normal in Hartz IV. Nur die Wenigsten erhalten noch 424 €.
Dass aus der Zeit der Wohnung mit seiner Mutter in Reinheim noch ca. 1200 € Schulden bei dem alten Netzbetreiber offen war, wusste Hans in dem Durcheinander nicht mehr.
Wir schrieben den 19. des Monats, als Hans von seinen 250 €  noch 88 € auf dem Konto hatte. Die Mutter war gerade gestorben, als der alte Netzbetreiber eine Kontopfändung (der ca. 1200 € Schulden) bei der Bank von Hans veranlasste. Das merkte Hans erst, als er über die Rest 88 € verfügen wollte. Er hatte keinen Zugang zu dem Konto mehr und wie man ein P- Konto (pfändungsfreies Konto) einrichten muss, sagte ihm auch keiner. Das machten nun die freundlichen Sachbearbeiter der Bank. Sie sagten aber gleichzeitig, bis sie über ihre 88 € noch verfügen können, dauert mind. 3 Tage. Was soll Hans so lange machen? Wovon soll er leben? Wie soll er ohne Geld einkaufen? Freunde, die ihm etwas leihen, hat Hans nicht.
Hans erinnerte sich deran die Reinheimer Erwerbslosengemeinschaft REGE e.v. Wir beschlossen, dass wir Hans 50 € Euro als Darlehen gewähren. Rückzahlbar nur 25 €. Damit Hans in seiner 45m ² großen Wohnung einkaufen kann und das Mindeste an Versorgung hat.
Das Fazit der Geschichte: Denkt daran euch ein „P Konto – pfändungsfreies Konto bei der Bank zu beantragen. Schafft euch frühzeitig ein P- Konto an – möglichst wenn euer Konto noch einen positiven Saldo ausweist.

 

Ein Kommentar zu „REGE: Warum Hans das letzte Geld weg gepfändet wurde…

  1. Blöd nur, dass Sozialleistungen (insbesondere SGB II-Leistungen) unpfändbar sind, vgl. gesetzliches Verbot gemäß § 42 Abs. 4 SGB II. Den Banken ist das entweder scheißegal oder die Frontofficeler sind von Unkenntnis gesegnet. Aber der Weg zum Amtsgericht kann ja einem Hartzer nicht zugemutet werden (Achtung Ironie). Wieso werden eigentlich zwei Darlehen mit je 10 % des Regelbedarfs zur gleichen Zeit aufgerechnet? Die Begrenzung auf 10 % des maßgeblichen Regelbedarfs gilt auch bei mehreren gleichzeitig zu tilgenden Darlehen!

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