REGE: Jeder verdient eine faire Chance

Jeder Mensch verdient eine Chance auf faire Behandlung in dieser Gesellschaft. Es werden immer mehr, die aus persönlichen Gründen in dieser Gesellschaft kaum noch oder gar keinen Platz finden. Immer weniger Menschen können dem Tempo der Gesellschaft noch folgen. Digitalisierung, Pandemie, Entlassungen, Leistungsdruck in den Schulen, Leistungsdruck in der Familie, Leistungsdruck an allen Orten – manch einer resigniert innerlich und gibt auf.

Man sucht in Drogen seinen Frieden, man flieht in den Alkohol, man hat massive gesundheitliche Störungen, die Ehe steht auf der Kippe und Hilfe wird in den seltensten Fällen angeboten.

Leser dieses Blogs sollte es nicht überraschen, dass es auch unserem Reinheimer Bürger im heutigen Tatsachenbericht so erging. Seine Suchtprobleme, seine drohende Obdachlosigkeit mit Übernachtungen auf einem Reinheimer Spielplatz, seine Angst von der Polizei wegen einer Geldstrafe von nur wenigen hundert Euros inhaftiert zu werden, seine Angst, weil er trotz Mahnung eine Geldstrafe nicht zahlen konnte und zur Verbüßung der Ersatzfreiheitsstrafe in das Gefängnis geladen werde. Aus Angst vor diesem Haftbefehl gegen ihn kampierte er wochenlang als quasi Obdachloser in und um Reinheim herum.

Solchen Fällen bietet die REGE die Tilgung uneinbringlicher Geldstrafen durch gemeinnützige Arbeit an. Er kann mit seiner gezeigten Bereitschaft, mit der erforderlichen Pünktlichkeit und Verlässlichkeit den Knast vermeiden. Das freut die Staatsanwaltschaft – denn Deutschlands Gefängnisse werden immer voller.

Unser Reinheimer Bürger wurde dazu verurteilt, 144 Sozialstunden bei der REGE abzuleisten. Leider erlitt er zu Beginn der Strafe zum wiederholten Male einen Suchtrückfall. Aufenthalt zur Entgiftung in den Kreisklinken Groß Umstadt mit anschließender Therapie ist die Folge. Wir setzen uns bei der Staatsanwaltschaft dafür ein, dass nach der Therapie er seine 144 Stunden gemeinnützige Arbeit abarbeiten kann.

Jeder Mensch verdient eine Chance auf eine faire, menschliche Behandlung in dieser Gesellschaft. Nicht nur diejenigen, die es sich leisten können, sondern gerade diejenigen, die dem Tempo in dieser Gesellschaft kaum noch folgen können.

Der REGEvorstand

REGE: Ohne Arbeit, ohne Hilfe, ohne Geld

Unser Reinheimer Bürger ist 58 Jahre alt. Jahrelang war er eine anerkannte Arbeitskraft in seinem handwerklichen Beruf. Er möchte arbeitenbesonders mit 58 Jahren.

Er hat Schulden aus Tätigkeiten im Niedriglohnbereich. Immer wieder nahm er kurzfristige Tätigkeiten bei Leiharbeitsfirmen an, bei der Patent Personal GmbH, bei SPP direkt, beim In Time Personalzeitservice und so weiter. Bald stand er wieder arbeitslos auf der Straße.

Eine Arbeit im Handwerksbereich fand er nicht. Einen Computer konnte er nicht bedienen.

Fast alle größeren Firmen decken ihren Personalbedarf mit einem Fünftel an befristeten Leiharbeitern. Offiziell heißt es, man wolle mit der Leiharbeit die Auftragsspitzen abdecken. In der Coronakríse verlieren Leiharbeiter als Erstes ihre Jobs.

Ganz schlimm traf es unseren Reinheimer Bürger. Er wurde von einer Leiharbeitsfirma irgendwo hin geschickt. Er sollte eine komplizierte Maschine bedienen. Nach nur zwei Tagen in der Probezeit wurde er mit der Auskunft, er sei nicht der Richtige und man brauche ihn nicht mehr, entlassen. Er war erschüttert und hilflos der deutschen Bürokratie ausgeliefert.

Er erhielt einen Aufhebungsbescheid der Agentur für Arbeit, soll heißen, nach nur zwei Tagen Arbeit muss er den gesamten Antrag nochmals ausfüllen. Er muss von seiner Leiharbeitsfirma eine Arbeitsbescheinigung anfordern. Ohne die bekommt er keine Hilfe. Er muss beim Jobcenter des Landkreises Darmstadt-Dieburg diesen Aufhebungsvertrag vorlegen, ansonsten rechnet ihm das Jobcenter ein Gehalt an, dass er gar nicht bekommt.

Er muss bei der neuen Leiharbeitsfirma, in welche ihn die Agentur für Arbeit als Lagerist schicken will, Gründe vorlegen, das er einen Gehaltsvorschuss braucht, denn er hat kein Geld, um mit ÖPNV zu seiner neuen Arbeitsstelle zu kommen. Er braucht Hilfe, die ihm niemand anbietet. Er ist psychisch am Ende, er hat Schulden und es dauert Wochen, bis er im September seine Grundsicherung erhält.

In der REGE erlebt man Geschichten, bei denen einem die Galle überkocht. Ein solches Elend in diesem reichen Land. Wir helfen solchen Menschen, raten ihnen aber auch, dass sie sich das gut überlegen sollen, ob sie sich wieder in eine Leiharbeitsfirma vermitteln lassen wollen und sehr wahrscheinlich nach wenigen Tagen wieder auf der Straße stehen.

REGE: Jahrestagung der KOS

Einmal im Jahr hält die „Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher Arbeitsgruppen“ (KOS) ihre Jahrestagung ab, dieses Jahr in Gladenbach bei Marburg. Die REGE wurde hierzu eingeladen. Ebenso 50 Erwerbslosenberater der IG Metall und von Verdi.

Hauptthema war „Eine armutsfeste und repressionsfreie Grundsicherung als wichtiger Bestandteil einer andere Verteilungspolitik

Frau Prof. Dr. Helga Spendler aus Köln referierte über die Frage, ob man eine zu niedrige Grundsicherung sanktionieren dürfe. Dank einer gesetzlichen Resolution, drohe den Betroffenen durch Sanktionen existenzielle Not. Die knapp bemessenen Regelleistungen werden nochmals um ein Drittel gekürzt, Darlehen für Waschmaschinen, Kühlschränke, Mietkautionen, Rückzahlung von Überzahlungen engen das Leben der Menschen in Armut zusätzlich ein. Der REGE kennt mehr als genug Bürger, denen die Politik zumutet, von 170 € pro Monat zu leben. Bisher haben sich die herrschenden Parteien nicht auf eine sanktionsfreie Regelung einigen können.

Als zweite Referentin kritisierte Frau Dr. Becker aus Crumstadt die Berechnung der Regelbedarfe. Sie berichtete , dass sie eine Studie für die Grünen und den paritätischen Wohlfahrtsverband erstellt habe. Hier war klar, dass die Regelsätze durch künstliches Kleinrechnen auf aktuell 439 für Alleinerziehende runter gedrückt werden – an statt, wie es rechtmäßig wäre, 600 € pro Monat betragen zu müssen.

Über wachsende Ungleichheit in Deutschland berichtete Prof. Dr. Klundt von der Universität Magdeburg. Er berichtete über skandalös niedrige Mindestlöhne Deutschlands, die andere Länder nieder konkurrierten. Er berichte darüber, dass über die Hälfte der Menschen in Armut in Deutschland mehr Steuern zahlten als die Reichen. Er sagte, dass der größte Teil der 30 DAX-Unternehmen eindeutig Geschäfte mit Steueroasen mache.

Frau Sbrzesni, Vorsitzende des Bundeserwerbslosenausschuss von Verdi, kündigte ihr Kommen in Reinheim an. Sie will mit Gästen und dem Regesvorstand einenzweistündige Informationstag über das Thema Hartz IV in Reinheim abhalten.

REGEVorstand

REGE: Armutspolitik in Zeiten von Corona und Wirtschaftskrise

Die Coronakrise zieht weitreichende wirtschaftliche Folgen nach sich. Viele Menschen wurden arbeitslos oder mussten Kurzarbeitergeld beantragen. So stiegen auch die Zahlen der HartzIV-Betroffenen um 30 Prozent im Landkreis Darmstadt Dieburg.

Hunderte Milliarden wurden zur Rettung der Wirtschaft bereitgestellt. Die Verteilung der Vermögen in Deutschland ist in der Krise nur noch ungleicher geworden.

Was hat das mit Reinheim zu tun? Kommunal- und Kreistagspolitik passiert nicht isoliert von der politischen Großwetterlage. Man kann das Gekd nur einmal ausgeben – entweder für Banken, Großkonzerne und die Rüstung oder für die öffentliche Daseinsvorsorge,

Wirkliche Einsparungen sind kaum noch möglich. Sie wurden in der Vergangenheit im wesentlichen über den Sozialhaushalt vorgenommen.

 

Es scheint wieder einmal so, dass man die Krisenlasten auf die Menschen in Armut abwälzen will. Noch nie gab es derart viele strittige Fälle im Umgang mit dem Jobcenter Darmstadt Dieburg, wie derzeit.

Ohne Rechtsbeistand sollte man das Jobcenter gar nicht mehr aufsuchen. So werden Nebenkostennachforderungen nur noch übernommen, wenn man mit rechtlichen Schritten droht. Mieterhöhungen bei den Nebenkosten werden kaum noch übernommen.

Die REGE setzt sich im Kreistag dafür ein, dass die Krisenlasten eben nicht auf Menschen in Armut abgewälzt werden. Wir wissen, es gibt unzählige Wege der Gebührenerhöhungen. Grundsteuern, Wasserkosten, städtische Gebühren …

Sind Sie arm, bleiben Sie dennoch clever! Holen Sie sich bei uns Hilfe. Es gibt noch solidarische Menschen in Reinheim. Eine Bürgerin teilte uns unlängst mit: „Ich lese die Reinheimer Nachrichten auch wegen den REGEberichten. Ich beziehe eine anständige Rente. Aufgrund der Predigt eines christlichen Pfarrers möchte ich der REGE etwas spenden. Dabke für euren bewundernswerten Einsatz!“

Der Regevorstand

REGE: 3103,66 Euro

Wenn eine alleinerziehende Mutter dreier Kinder aus Reinheim vom Jobcenter des Landkreises Darmstadt Dieburg diese Summe Sozialleistungen zurückgezahlt bekommt, ist dies keine soziale Wohltat des von SPD, Grünen und FDP geführten Landkreises.

Besonders, da der Landkreis Darmstadt Dieburg ziemlich nahe an Seeheim liegt. Kritiker werfen der Kreisverwaltung eine verdächtige Nähe zu dem wirtschaftsfreundlichen und sozialfeindlichen Seeheimer Kreis innerhalb der SPD vor. Der hat sich bis heute nicht von der Agenda 2010, soll heißen, der Einführung der HartzIV-Gesetze, der Billiglöhne, sowie der massenweisen Verbreitung der 450 € Jobs verabschiedet. Große Teile des Seeheimer Kreises innerhalb der SPD verteidigen diese schwachsinnige Agenda noch heute als Grund dafür, dass nach der Massenarbeitslosigkeit von 2003 die deutsche Wirtschaft wieder auf die Beine gekommen gekommen und nun fit für den Weltmarkt sei.

Auf dem Rücken von Millionen an Billiglohnarbeitern. Die deutsche Wirtschaft konnte sich nur so gut erholen, weil die Gehaltszahlungen an ihre Arbeiter massiv unter das Existenzminimum gedrückt wurden.

Der alleinerziehenden Mutter aus Reinheim wurde seit Januar 2019 Kindergeld von dem Jobcenter angerechnet, welches sie aber von der Familienkasse nicht erhielt. Da fehlten ihr 200 € an Hartz IV jeden Monat. Das Geld reichte nie.

Weil sie den Einstellungsbescheid der Familienkasse über die Gewährung von Kindergeld nicht an das Jobcenter schickte, sah die keinen Grund, dieses angerechnete Kindergeld aus dem Bescheid zu streichen.

Erst als der Vermieter ihr wegen drei fehlenden Mietzahlung die Wohnung zum Juli kündigte, suchte die arme Frau Hilfe bei der REGE.

Mit den nun eingeforderten 3103,66 Euro bei dem Jobcenter kann die arme Mutter leicht ihre Mietschulden an den Vermieter begleichen.

 

Wir betonen ausdrücklich: Schicken Sie Ihre Einstellungsbescheide, welche Kindergeld, Elterngeld, Wohngeld oder Kinderzuschlag betreffen immer an Ihr zuständiges Jobcenter, aber nur in Kopie, als Einschreiben per Rückschein, direkt an den zuständigen Sachbearbeiter. Sonst geht es Ihnen wie dieser alleinerziehenden Mutter.

Holen Sie sich Rat bei der REGE.

 

 

Der Regevorstand

 

REGE: 4280 Euro

Unser allein lebender Reinheimer wechselte ab April die Meldeadresse. Durch die Coronakrise ist der Zugang zum Einwohnermeldeamt Reinheims nur noch digital möglich. Das ist für Bürger wie ihn, insbesondere ab einem gewissem Alter, besonders schwierig.

Es dauerte bis Mitte Juni, dass diesem Bürger seine Ummeldung endlich vorlag. Seine Sozialleistungen beantragte er jedoch schon ab April.

Das Jobcenter des Landkreises schickte zwei Schreiben an die alte, längst nicht mehr bewohnte Meldeadresse in Reinheim. Diese Schreiben gingen an das Jobcenter des Landkreises als Person nicht erreichbar zurück.

Nach dem dritten Misserfolg geht das Jobcenter davon aus, der Bürger Reinheims sei nicht mehr das Problem des Landkreises und stellt die dringend benötigten Leistungen ein. Die REGE legte Widerspruch gegen diese Entscheidung ein, präsentierte die neue Meldeadresse und alles nahm seinen Lauf..

Die REGE hat mittlerweile große Routine und viel Erfahrung, berechtigte Sozialleistungen durchzusetzen.

Dass auf dem Konto des Bürgers noch eine Pfändung eingetragen war und die hiesige Bank ihm diese 4280 € Sozialleistungen nicht gänzlich auszahlen wollte, ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Fazit: Wenn ein Bürger Reinheims ein Anrecht auf Zahlung von 4280 € Sozialleistungen haben, kommen viele Dinge zusammen. Sprachliche Defizite, eines der kompliziertesten Gesetze Europas, dann noch systembedingte Gründe, keine Hilfe beim Ausfüllen dieser Anträge zu erhalten … von der Coronakrise ganz zu schweigen.

DER REGEvorstand

REGE: Ehrliche HartzIV-Betroffene?

HartzIV-Betroffene werden von anderen Menschen sehr verzerrt wahrgenommen. Die BILD berichtet ja stets sehr negativ über HartzIV-Betroffe. Der Kanzler drohe Drückebergern. Es gebe kein Recht auf Faulheit. Keine Solidarität für Menschen, die nicht arbeiten wollten. Das Boulevardblatt gab zwei Professoren der TU Chemnitz viel Platz um zu behaupten, 132 € Hartz IV im Monat müsse reichen.

Eigentlich müsste man es nicht erwähnen, dass die REGE ganz andere Dinge erlebt, aber beim Bildungsniveau von BILD-Lesern (was alleine schon ein Widerspruch in sich ist) …

Der Reinheimer Bürger/ bezieht aufstockend 400 € HartzIV. Das bedeutet, er verdient zu wenig, um Lebensunterhalt und Miete zahlen zu können. Der Arbeitgeber zahlte eine Corona-Prämie von 800 €. Die darf von HartzIV nicht abgezogen werden. Aber dieser kleine Fakt ist dem Bürger nicht bekannt.

Der Bürger bat das Jobcenter DarmstadtDieburg doch tatsächlich, man möge ihm im August und September kein HartzIV zu gewähren. Er habe eine Corona-Prämie von 800 € erhalten und könne davon leben.

Das Jobcenter lobte ihn dafür, dass er auf deutsche Sozialleistungen verzichten wolle. Aber ihnen sei bewusst, dass der Bürger die 800 € Corona Prämie gut gebrauchen könne. Denn man dürfe diese Corona-Prämie nicht anrechnen.

Die REGE anwortete, dass der Reinheimer Bürger wisse, wie teuer die Coronapandemie für alle werde. Die Rüstungsausgaben sollen massiv steigen, die sozialen Auswirkungen und die fehlenden Steuern werden höchstwahrscheinlich die kommunalen Gebühren in die Höhe treiben. Da möchte dieser HartzIV-Betroffene aus Reinheim mit gutem Beispiel voran gehen und auf das Hartz IV für August und September verzichten.

Nun war das sogar dem Jobcenter Darmstadt-Dieburg nicht geheuer. Man gewährte Hartz IV, trotz der Corona Prämie von 800 €, welche sich der Bürger in seinem Pflegedienst redlich verdient habe.

Die REGE bestärkte den Bürger, diese 800 € zu behalten.

 

Der REGEvorstand

REGE: Keine Kindergelderhöhung für HartzIV-Betroffene

Das Bundeskabinett verabschiedete einen Gesetzentwurf, durch den 2021 das Kindergeld und der Kinderfreibetrag erhöht wird. HartzIV-Bezieher haben davon mal wieder nichts.

Kabinett beschließt Erhöhung des Kindergeldes

Am Mittwoch hat das Bundeskabinett eine erneute Erhöhung des Kindergeldes um monatlich 15 Euro beschlossen. Es kommt damit dem Koalitionsvertrag nach, der eine Gesamterhöhung um 25 Euro vorsieht, nachdem schon zum 1. Juli 2019 eine Erhöhung um 10 Euro erfolgte. Ab 2021 soll das Kindergeld für das erste und zweite Kind 2019 Euro, für das dritte Kind 225 Euro und für das vierte und weitere Kinder jeweils 250 Euro betragen.

Das nun beschlossene Zweite Familienentlastungsgesetz sieht außerdem vor, dass der steuerliche Kinderfreibetrag (Unterhaltshöchstbetrag) von aktuell 7812 Euro auf 8388 Euro steigen soll. Auch soll das steuerfreie Existenzminimum in zwei Schritten steigen: 2021 von 9408 Euro auf 9696 Euro und 2022 auf 9984 Euro.

Mit dem Gesetz sollen Eltern entlastet und der kalten Progression Rechnung getragen werden. Bundestag und Bundesrat müssen dem Gesetzentwurf noch zustimmen.

Kinderarmut: Hartz IV-Bezieher profitieren wieder nicht

Die beschlossenen Erhöhungen kommen erneut gerade denen nicht zugute, die sie am meisten benötigen. Aufgrund der Gesetzeslage und eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom 11.03.2010 wird das Kindergeld als Einnahme auf die Hartz IV-Leistungen angerechnet.

ALG II-Bezieher mit Kindern bekommen also mehr Kindergeld, dafür aber weniger Hartz IV vom Jobcenter, wenn sie mit ihren Kindern in einer Bedarfsgemeinschaft leben. Übersteigt nämlich das Kindergeld zusammen mit dem Unterhalt, Unterhaltsvorschuss oder eigenem Einkommen des Kindes dessen Bedarf, wird das überschüssige Kindergeld dem Elternteil als Einkommen angerechnet und verringert so dessen Bezüge.

Diese Regelung geht unterm Strich also vor allem auf Kosten der Kinder, welche die Bundesregierung mit ihrem Gesetzentwurf doch eigentlich fördern will.

Die REGE holt jedes Jahr an die zehntausend Euro falsch berechnetes Kindergeld vom Jobcenter zurück. Kinder über 18 Jahre erhalten nur unter gewissen Bedingungen noch Kindergeld. Hält sich das Kind nicht an diese Bedingungen, erhält die Familie einen Einstellungsbescheid von der Familienklasse. Legt die Familie diesen Einstellungsbescheid aber dann nicht im Jobcenter vor, so zieht das Jobcenter der Familie Kindergeld vom HartzIV ab, welches die Familie gar nicht erhält. Das bedeutet man hat weniger Hartz IV als einem zusteht. Unlängst holte die REGE einer Reinheimer Familie an die 4000 € vom Jobcenter zurück.

Lassen Sie sich beraten – wir helfen Ihnen.

 

Der REGEvorstand

REGE: Neue Regelsätze auf Kosten der Menschen in Armut

Alle fünf Jahre werden die HartzIV-Regelbedarfe neu bemessen. Angeblich sollen se ein menschenwürdiges Leben garantieren. Besagte Menschenwürde wird in einem aufwendigen Verfahren ermittelt – der Einkommens– und Verbrauchsstichprobe (EVS) der untersten 15 Prozent. Vor wenigen Tagen wurden die Ergebnisse der EVS-Studie basierend auf Zahlen aus 2018 vorgelegt. 439 anstatt 432 für allein lebende Reinheimer Erwachsene gibt es nun. Kinder je nach Alter werden mit 278 € bis zu 304 € berechnet und sollen davon jeweils einen Monat leben.
Diese Regelbedarfe werden kleingerechnet. Wenn man nur die untersten 15 Prozent als Maßstab nimmt, anstelle den von Sozialverbänden geforderten 20 Prozent, werden allein dadurch 20 € pro Person gespart. Wenn man die Ausgaben für Saft oder Limonade streicht und nur Mineralwasser als Gegenwert annimmt, bleiben von ursprünglich 9,90 € nur noch 3,13 € übrig. Solche miesen Tricks summieren sich auf über 150 € monatlich, laut dem Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Dabei brauchen Menschen in Armut deutlich mehr Unterstützung, gerade jetzt. Sie sind besonders stark von der Krise betroffen. Stattdessen wird einmal mehr bei ihnen gespart, während die Vermögen der Reichsten neue Höchststände erreicht haben. Fast schon, als hätten die Reichen von der Krise profitiert …
Mehr als 1400 Reinheimer Bürger in der Grundsicherung werden nicht nur finanzielle Hilfe brauchen. Sie brauchen fachliche Hilfe für die Sozialgesetzbücher SGB I bis SGB XII – die kompliziertesten Gesetze der deutschen Rechtssprechung. Mindestens 400 Kinder in Reinheim leben in von Grundsicherung betroffenen Familien. Da viele Tafeln in der Krise geschlossen hatten und die Preise für Obst und Gemüse stark anstiegen, bittet der Regevorstand die Reinheimer Bürger weiterhin um Unterstützung des Kindersozialfonds Reinheim und der Reinheimer Erwerbslosengemeinschaft REGE e.V. Wir sehen es als eine besondere Herausforderung in Reinheim – als einzige Landkreiskommune Darmstadt Dieburg – diese zwei Vereine zu haben. Ihnen gebührt eine breite Unterstützung, nicht nur moralisch, sondern auch finanziell.
Wir sagen schon mal Danke
Der REGEvorstand

REGE: Kein HartzIV, regelmäßige Arbeit – und trotzdem bettelarm

Die Reinheimer Armut nur auf die statistisch messbare Armut von acht Prozent aller Bewohner zu begrenzen, ist ein Fehler. Es sind weitaus mehr Bürger knapp über dem Grenzbedarf von HartzIV und dennoch arm, wie diese Reinheimer Familie.
Diese vierköpfige Familie liegt 300 € über der Grenze für HartzIV. Ein Familienmitglied ist seit dem 23. Lebensjahr nicht mehr krankenversichert. Die Familie kann sich die 190 € Beitrag für eine Krankenversicherung nicht leisten. HartzIV und damit krankenversichert ist man erst mit 25 Jahren. Eine Arbeit erhält dieses Familienmitglied aufgrund individueller Probleme nicht.
Zudem kaufte sich die Familie vor vielen Jahren eine Eigentumswohnung – fremdfinanziert mit Darlehen der Banken. Eine Bank fordert 11.7 Prozent und die Andere 4,6 Prozent Zinsen und Tilgung. Die Familie muss jeden Monat 1500 € allein für die Unterhaltung der Eigentumswohnung ausgeben.
So schuftet ein Familienmitglied in zwei Jobs, um die Darlehen bedienen zu können. Ein weiteres Familienmitglied bezieht eine Niedrigrente, ein anderes Sozialhilfe …
So wird man in Deutschland bettelarm – obwohl man keine Sozialleistungen bezieht und jeder im Rahmen der Möglichkeiten am Schuften ist. Es reicht hinten und vorne nicht – und das ist nur eine Familie. So wird es immer mehr Menschen und Familien ergehen.
Schaut hin. Redet nicht alles schön, nur weil es Euch noch gut geht. Lebt Solidarität vor und helft. Glaubt nicht den Vollpfosten, laut denen HartzIV-Betroffene nur faule Schmarotzer seien, die einfach nicht arbeiten wollen. Die arbeiten oft mehr als mancher Vollerwerbstätige, unter deutlich widrigeren Umständen und bei weitaus mieserer Bezahlung. Manche HartzIV-Betroffene sind in Ausbildung oder studieren, Manche sind krank oder aktuelle Umstände erlauben eine Arbeit nicht.

Der REGEvorstand