REGE: Drogen und HartzIV

Wenn man sich, wie die REGE, mit dem menschlichen Elend beschäftigt, so wird schnell klar, dass Reinheim sowie Groß-Zimmern die zentralen Drogenmärkte des Landkreises Darmstadt-Dieburg sind. Und Drogen, die man in Reinheim oder Groß-Zimmern nicht erhält, bekommt man immer noch in Darmstadt. Es gäbe nicht eine einzige drogenfreie Kneipe in Groß-Zimmern, erzählte uns ein Abhängiger.
Dementsprechend trifft man auf zahlreiche Suchtkranke im Landkreis, versteckt, als Leiharbeiter tätig, manchmal mit Methadon substituiert, so nehmen sie am Alltagsleben teil. Man erkennt ihre Suchtkrankheit aber nur, wenn man genau hinschaut.
Manchen suchtkranken Familien hat das Jugendamt die Kinder entzogen. Manche Suchtkranke haben unzählige Therapien, Entzüge und Entgiftungen hinter sich. Gemeinsam haben sie alle Elend, Suchtdruck, Knasterfahrungen, katastrophale Unterbringungen und finanzielle Not.
Drogen machen die Menschen in kürzester Zeit kaputt. Man findet sie überall in Reinheim, in bemitleidenswerten Zuständen. Leider fallen die Alkoholkranken der Öffentlichkeit mehr auf, als die anderen, vornehmlich nachtaktiven Suchtkranken.
Steht ihnen das Existenzminimum, soll heißen. HartzIV zu? Blöde Frage, natürlich steht ihnen das zu.
Ihnen fällt es doppelt so schwer, sich durch die HartzIV-Bürokratie sich zu kämpfen. Ohne Hilfe geht das nicht.
Sie sind krank. Das geht rasend schnell. Heute noch fit im Job – wenige Monate später suchtkrank.
Die REGE kennt viele Suchtkranke in Reinheim. Diese Menschen kann und darf man nicht abschreiben – Solidarität und Hilfe sind der richtige, der einzige Weg.
Unterhält man sich mit denen unvoreingenommen, erfährt man die unglaublichsten persönlichen Geschichten …
Der REGEvorstand

REGE: Kann man davon leben?

„Völlig unzureichend“, so kritisierten unlängst Sozialverbände und der Verein Sanktionsfrei die neuen Regelsätze für das Jahr 2021. Die Regierung orientiert sich bei der Berechnung ihrer zu niedrigen Regelsätze an den Ergebnissen der Einkommens– und Verbrauchsstichprobe (EVS) aus dem Jahr 2018. Hier wurden die Ausgaben der verarmtesten 15 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung gesammelt und nun veröffentlicht.
Würde die Bundesregierung nicht auf auf ihre miesen Tricks verzichten, dann würde das Geld für die ca. 8 Mio. Menschen in Armut Deutschlands bei 600 € für Erwachsene liegen. In Reinheim sollen 1400 Bürger ab 2021 von nun 439 € (7 € mehr) einen Monat leben. Immerhin stiegen die Regelsätze für 6jährige um 29 € (279) und für 14 bis 17jährige um 39 € (367) .

Während von März bis April die Preise für Gemüse um 27 und für Obst um 14 Prozent stiegen, sollen die Ärmsten mit einer Erhöhung von 1,6 Prozent für ein Jahr über die Runden kommen.
Diese Regelsätze für die Ärmsten wurden kleingerechnet und werden weiterhin die finanzielle Not der Menschen in Armut manifestieren. Wir von der REGE sehen, dass man mit so wenig Geld kein menschenwürdiges Leben führen kann. Eine hohe Verschuldung wird bald folgen.
Anstatt sich hinter Statistiken zu verstecken, sollte sich die Politik um die Menschen in Armut kümmern. Die Coronakrise hat deren Lage deutlich verschärft und treibt immer mehr Menschen in große Not. Diese Regelsätze sind fern jeglicher Lebensrealität.
Der REGEvorstand sieht weiterhin viel Arbeit auf sich zukommen. Wir werden die Betroffenen gegen öffentliche Diskriminierung in Schutz zu nehmen. Wir kennen die Stammtischmeinung, dass HartzIV-Betroffene nichts richtiges zu tun hätten und zu wählerisch bei der Jobauswahl seien.
Wir kennen Bürger, die sich unzählige Male beworben haben, aber keinen entsprechenden Arbeitsplatz bekamen. Viele sind mit ihrer Lage unglücklich und wünschen sich schnellstens ein Leben frei von HartzIV. Drei Viertel der HartzIV-Betroffenen Reinheims arbeiten und haben einen schlecht bezahlten Job, dessen mickriges Gehalt sie noch mit Sozialleistungen aufstocken müssen. Nur bei dem Thema HartzIV werden so viel Unwahrheiten und falsche Statistiken seitens der Regierung veröffentlicht.
Der REGEVORSTAND

REGE: Kindergeld kommt nicht – von HartzIV betroffene Familien bleiben auf der Strecke …

204 Euro Kindergeld erhalten von HartzIV betroffene Kinder nicht

Beim Kindergeld handelt es sich entgegen des weitverbreiteten Irrglaubens nicht um eine Sozialleistung, sondern vielmehr um eine steuerliche Ausgleichszahlung, die der Sicherung der grundlegenden Versorgung des Kindes dient. Die aktuellen Kindergeldsätze liegen dabei bei

  • 204 Euro – für das erste und zweite Kind
  • 235 Euro für jedes weitere Kind.

4,7 Milliarden Euro weniger durch Kindergeld

Doch das Geld scheint nicht bei allen Familien anzukommen. Von HartzIV betroffene Familien profitieren kaum und in vielen Fällen gar nicht von den Kindergeldleistungen. Der Grund: Das Kindergeld wird auf HartzIV und andere Sozialleistungen angerechnet. Für viele HartzIV-Betroffene mit Kindern ist das nichts Neues – die Ausmaße der Verrechnungspraktiken sind allerdings erschreckend. Laut einer Antwort des Bundessozialministeriums auf eine Anfrage der Linken minderte das Kindergeld im Jahr 2019 bei 1,06 Millionen Bedarfsgemeinschaften den Anspruch auf Arbeitslosengeld II und Sozialgeld. Dadurch wurden insgesamt 4,7 Milliarden Euro weniger an Leistungsberechtigte ausgezahlt, berichtet die Saarbrücker Zeitung.

Linke: Verarmte Menschen gehen leer aus

Seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen in dieser Angelegenheit im Jahr 2007 wurden laut Bundesministerium auf Grund der Verrechnung mit Sozialleistungen sogar rund 59 Milliarden Euro weniger ausgezahlt. Für Linkenpolitikerin Sabine Zimmermann sind diese Verhältnisse nicht hinzunehmen:

Ausgerechnet die allerärmsten Familien gehen beim Kindergeld leer aus, obwohl sie es dringend bräuchten, denn die Kinder-Regelsätze bei Hartz IV sind künstlich klein gerechnet und viel zu niedrig bemessen

Wichtig: Der Kinderbonus an Familien inmitten der Corona-Pandemie wird NICHT auf Hartz IV angerechnet.

DGB verlangt Kindergrundsicherung

Nicht nur die Linken sprechen sich offen für mehr finanzielle Unterstützung für Kinder aus, auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) tritt nun öffentlich für die Einführung einer Kindergrundsicherung ein. Die Kindergrundsicherung soll als Gesamtzahlung das Kindergeld, den Kinder-Regelsatz und andere Zuschläge ersetzen, um auch Kindern aus Familien mit kleinem Geldbeutel Zukunftsperspektiven zu ermöglichen und ihre Teilhabe zu sichern.

In Reinheim – und nur dort – erhalten arme Kinder vom Kindersozialfonds 100 bis 150€ einmal im Jahr gegen Vorlage von Quittungen.

Nur in Reinheim verteilt die REGE pro Jahr 15000 Euro durch Spenden und Zuschüsse an arme Familien. An allen anderen Orten gehen die die Menschen in Armut leer aus. Welch eine Armut in einem angeblich reichen Land!

 

Der REGEvorstand

Teilweise entnommen aus gegenHartzIV

REGE: Wegweiser durch den Sozialdschungel

Es gibt Situationen, da kommt man nicht mehr alleine weiter. Da braucht man Hilfe

  • um einen Sozialhilfeantrag auszufüllen, den kaum jemand versteht
  • wenn man davon bedroht ist, die eigene Wohnung zu verlieren
  • wenn Rückforderungen von Krankenkassen oder Energieversorgern gestellt werden
  • wenn man erwerbslos ist und nicht mehr weiß, wie man den Lebensunterhalt bestreiten soll

In der Krise stehen mehr Bürger vor unlösbaren Problemen. Dabei sind soziale Hilfen keine Almosen, das sind gesetzlich verankerte Unterstützungen für ein menschenwürdiges Leben. Im Vergleich gibt es solche Hilfen in Reinheim mehr als in anderen Kommunen …

 

1. Die Sozialverwaltung der Stadt Reinheim hilft bei allgemeinen Sozialfragen, zum Beispiel bei Pflegeberatung, bei Sozialwohnungen und bei Rentenberatungen in den üblichen Sprechzeiten der Stadtverwaltung

 

2. Der Caritasverband bietet Sozialberatung, Schuldnerberatung, Konfliktberatung, Psychosoziale Beratung oder Eheberatung in einer offenen Sprechstunden Mittwochs von 14 bis 16 Uhr an, in Dieburg unter 06071/98660-10

 

3. Horizont e.V. hilft bei Wohnungs- und Arbeitssuche sowie Antragstellung, begleitet die Menschen zu den Ämtern, berät bei Verlust der Wohnung und Fragen der Existenzsicherung Mittwochs von 9 bis 12 Uhr in der Pöllnitzstraße 24 in Reinheim

 

4. Reinheimer Erwerbslosengemeinschaft REGE e.v. hilft, unterstützt, begleitet und vermittelt Hilfe bei alle sozialrelevanten Problemen. Sprechstunden Nach Verinebarung unter 0170/8317675

Wir sind ein ehrenamtlicher Verein mit über 90 Mitglieder, der auch u.U. finanziell unterstützen kann, wenn gar nichts mehr geht.

 

5. Kindersozialfonds Reinheim

Gewährt Familien mit Kindern in der Grundsicherung eine einmal jährliche Unterstützung pro Kind in Höhe von ca. 100 €.

http://www.kindersozialfonds-reinheim.de/sites/kontakt.php

 

Niemand ist gerne in materieller oder sozialer Not. Trotzdem nimmt die Not zu. Die Menschen brauchen in der Komplexität der Formulare und Gesetzgebung Hilfe. Niemand soll Not in Reinheim leiden. Nutzen Sie die Angebote!

 

Ihr REGEvorstand

REGE: Wo bleiben unsere Computer?

Nicht alle Kinder haben Zugang zum digitalen Klassenzimmer. Der Bund wollte etwas daran ändern. Bedürftige Kinder sollen bis zu 150 Euro für den Kauf eines Tablets, Laptops oder Computers erhalten. 500 Millionen wollte der Bund bereitstellen.

Die Reinheimer Kinder in Armut fragen jetzt aber berechtigt: Wo bleiben unsere Computer? Das Landessozialgericht NRW urteilte, die Jobcenter müssten betroffenen Kindern jeweils 150 € für diese Anschaffung bereitstellen. Jedoch, was das Landessozialgericht in NRW urteilt, interessiert im Landkreis Darmstadt-Dieburg niemanden. Dort regieren die Gesetze des Seeheimer Kreises der SPD. Dort lehnt man die Übernahme von 150 € mit einer bestenfalls fadenscheinigen Begründung ab und verweist auf die Schulen. Der Landkreis Darmstadt-Dieburg will es den Antragstellern offensichtlich so schwer wie möglich machen, diese Unterstützung zu erhalten. Manche Jobcenter fordern Schulbescheinigungen hierfür. Die Schule soll darin erläutern und belegen, warum der internetfähige Computer zwingend erforderlich sei. Die Schulen sollen auch erläutern, warum es der Schule nicht möglich ist, den Unterricht durchzuführen, sofern ein solches Gerät nicht zur Verfügung steht. Mit solchen Tricks versuchen die Jobcenter, ein bestehendes Urteil zu umgehen und bedürftige Kinder von der Teilhabe am digitalen Unterricht auszuschließen.

 

Gegenwärtig liegt der schwarze Peter bei den Schulen. Sie recherchieren nach Leihgeräten, welche die hessische Landesregierung zur Verfügung stellen könnte. Doch das dauert. Leihgeräte haben den Nachteil, dass sie nach Verlassen der Schule wieder zurückgegeben werden sollen. Hier sind die nächsten Probleme vorprogrammiert.

Diese miesen Tricks der Jobcenter, sich um die Übernahme der digitalen Endgeräte zu drücken, sind eine absolute Schande. Der Vorstand der REGE sah Handlungsbedarf.

Dank einer großzügigen Spende der Firma Merck in Höhe und einem Eigenanteil erwarben wir 15 internetfähige Computer. Wir werden diese in den nächsten Wochen an bedürftige Kinder aus Reinheim und Umgebung aushändigen.

Es steht jedoch außer Frage, dass die Jobcenter absichtlich Hürden schaffen, um Kindern in Armut die Teilhabe am digitalen Unterricht entweder zu erschweren oder schier unmöglich zu machen.

Landkreis Darmstadt-Dieburg, was zum Teufel soll das? Und wo bleiben unsere Computer?

Der REGEVorstand

REGE: Statistische Armut in Reinheim

Um Armut zu verstehen, muss man den Begriff verstehen.

Spricht man von Armut, so spricht man von Menschen, die weniger als zwei Drittel des mittleren gesellschaftlichen Nettoeinkommens haben.

Können Menschen ihre lebenswichtigen Grundbedürfnisse nicht sicherstellen, so spricht man von der absoluten Armut. Die REGE lässt einmal pro Jahr die sozialrechtliche Messung der Armut, soll heißen, jene Menschen, die von Hartz IV (SGB II) oder von Sozialhilfe(SGB XII) oder von Wohngeld undKinderzuschlag oder den Asylbwerberleistungsgesetzen (AsylbLg) leben müssen. Diese Nachfrage basiert auf Daten vom 31. Dezember 2019. Diese sind durch die Pandemie mittlerweile mindestens um zehn Prozent erhöht.

 

Hier die Zahlen Sozialleistungsbezieher aus Reinheim vom 31.12.2019:

  • 616 HartzIV-Betroffene
  • 332 Sozialhilfebetroffene (das sind hauptsächlich Kinder, die von HartzIV leben müssen)
  • 117 Wohngeldempfänger
  • 179 Betroffene der Sozialhilfe (verarmte Rentner)
  • 76 gemeldete Bezieher von Asylleistungen

Unterm Strich mindestens acht Prozent der 16346 gemeldeten Einwohner Reinheims.

Den traurigen Rekordbezüglich Armut im Landkreis Darmstadt-Dieburg hält hier Groß-Zimmern. Dort wird eine statistische Armut von zehn Prozent der 14564 Einwohner gemessen.

Weiterhin sind über 400 verarmte Kinder in Reinheim statistisch erfasst. Kinder, deren Eltern für eine Tagesverpflegung bestenfalls 4 € pro Tag erhalten. Die einzige Hilfe für sie kommt vom Kindersozialfonds und die REGE. In keiner anderen Gemeinde des Landkreises gibt es eine derartige Hilfe.

Im Landkreis Darmstadt-Dieburg werden Menschen in Armut jährlich um etwa 1,8 Mio durch zu niedrige Mieten gebracht. Das bedeutet, die öffentliche Hand setzt als Grundlage für Kaltmieten viel zu geringe Zahlen an, die völlig wirklichkeitsfremd sind. Alles, was darüber liegt, wird vom Regelsatz der Betroffenen noch abgezogen. Man bürdet den Menschen in Armut die Schuld für einen überteuerten Wohnungsmarkt auf und klaut ihnen noch das Existenzminimum. Auf Reinheim dürften von den erwähnten 1,8 Mio Euro etwa 100.000 € pro Jahr entfallen.

Im Landkreis fielen auch 684 Wohnungen aus der Sozialbindung raus – nur 83 Wohnung mit Sozialbindung wurden überhaupt gebaut.

In Reinheim gibt es noch 216 geförderte Sozialwohnungen. Die öffentliche Hand aus Reinheim lobt diese Zahlen. Denn dadurch verheimlicht der Landkreis, dass unter anderem Pfungstadt, Griesheim, Weiterstadt und Groß-Umstadt deutlich mehr Sozialwohnungen benötigen, was an anderer Stelle wieder gekürzt wird. Fast so wie ein gewisser amerikanischer Präsident, der in dieser Zeit der Pandemie die Anzahl durchgeführter Tests verringern möchte, um die Fallzahlen nach unten zu korrigieren.

Die 13 Seiten umfassende, detailierte große Datenabfrage 31.12.2019 kann jederzeit bei DER LINKEN eingesehen werden.

Diese statistischen Zahlen sind deutlich. Sie müssten die politischen Handelnden in Reinheim zum Handeln bewegen. Bessere Versorgung, bessere Hilfe, eine Dezentralisierung der Armutsverwaltung in der Kreisverwaltung. Doch es passiert nichts und wir bewegen uns weiter auf einer Abwärtsspirale.

Die Zeit zur Handlung ist längst überfällig. Was muss noch geschehen, damit unsere Politik erkennt, dass man Armut weder schönreden, noch durch stasiartige Schikane auslöschen kann?

Reinheim mag zwar laut der statistisch ermittelten Armut im Landkreis nur an sechster Stelle nach Dieburg, Münster, Pfungstadt, Ober-Ramstadt und Groß Zimmern stehen – doch vom ersten Platz ist die Stadt Reinheim nicht mehr weit entfernt …

 

Der REGEvorstand

Hartz IV Regelsatz viel zu niedrig: Paritätischer schlägt Alarm

Eine Umfrage des Paritätischen Gesamtverbandes untermauert, was für Millionen Hartz IV Empfänger längst klar ist: Der Hartz IV Regelsatz ist viel zu niedrig. Doch selbst in der Corona-Krise bleibt die Politik weiterhin untätig.

Wie viel Geld braucht man zum Leben?

„Wie viel Geld benötigt eine alleinstehende erwachsene Person pro Monat insgesamt abzüglich Miete, um den Lebensunterhalt zu bestreiten?“, dieser Frage ging der Paritätische Gesamtverband in einer repräsentativen Umfrage nach. Die Untersuchung erfolgte vor dem Hintergrund des nach wie vor niedrigen Hartz IV Regelsatzes. Dieser wurde in der Corona-Krise trotz vielfachen Forderungen nicht temporär angehoben oder aufgestockt. Viele Hartz IV Empfänger fühlen sich nicht zuletzt angesichts der geschlossenen Tafeln und steigenden Lebensmittelpreise im Stich gelassen – die Ergebnisse der Umfrage sprechen eine dementsprechend deutliche Sprache.

Umfrage: „Hartz IV reicht nicht zum Leben“

Rund 80 Prozent der Befragten sind laut Umfrage des Paritätischen der Meinung: „Nein, Hartz IV reicht bei Weitem nicht zum Leben“. Ohne Wohnkosten sind aus Sicht der Befragten durchschnittlich 728 Euro monatlich notwendig, um den Lebensunterhalt zu decken. Der Hartz IV Regelsatz liegt derzeit bei 432 Euro. Lediglich 20 Prozent der Befragten empfinden diese Summe als ausreichend, um über den Monat zu kommen.

Zu wenig Geld für Ernährung

Die Umfrageergebnisse bezüglich des Budgets für Ernährung zeigen ebenfalls Missstände auf. Im Regelsatz sind derzeit rund 150 Euro für Lebensmittel vorgesehen. Nur 14 Prozent der Befragten glauben, dass dieser Betrag monatlich für eine ausgewogene Ernährung reicht. Aus Sicht der Befragten sind durchschnittlich 300 Euro, also das Doppelte des im Regelsatz vorgesehen Betrags, notwendig, um einen erwachsenen Menschen zu ernähren. Beim Budget für Hygieneartikel zeigen sich sogar noch größere Unterschiede zwischen dem eigentlichen Bedarf eines Erwachsenen und dem im Regelsatz vorgesehen Betrag dafür: Laut Regelsatz reichen 15,12 Euro aus, die Befragten setzen für Körperpflegeartikel jedoch ein monatliches Budget von 47 Euro an – 3-Mal mehr als Hartz IV Empfänger tatsächlich bekommen.

Konjunkturpaket lässt Hartz IV Empfänger im Stich

Doch die niedrigen Hartz IV Regelsätze scheinen immer noch ein blinder Fleck in der Politik zu sein. Im groß angekündigten Konjunkturpaket der Bundesregierung finden sich keine direkten Hilfestellungen für Hartz IV Empfänger. Einzig der Familienbonus kann bedürftigen Familien helfen, die Corona-Krise zu überstehen. Für alleinstehende Hartz IV Empfänger sind jedoch keine Hilfen vorgesehen.

Quelle: hartziv.org

REGE: Wollen Sie mich auf den Arm nehmen?

Dieses Schreiben schickte eine wütende Bürgerin aus einer Reinheimer Nachbargemeinde an die KFB:

Sehr geehrte KfB,

tut mir leid, dass ich mich jetzt so ausdrücken muss, aber ich glaube, Sie wollen mich auf den Arm nehmen?

Was interessiert es Sie, wo ich 2017 gearbeitet habe? Zu dem Zeitpunkt haben wir keinen einzigen Cent von Ihnen erhalten, also erwarten Sie nicht von mir, dass ich Ihnen irgendwelche Verträge schicken werde. Der Laden dort ist schon seit Jahren geschlossen. Wie soll ich bitteschön dort weiterhin arbeiten, wenn es den Laden nicht mehr gibt? Bevor Sie mir solche sinnlosen Briefe schreiben, informieren Sie sich bitte erstmal. Ist es etwa so schwer, ihre Arbeit ordentlich zu erledigen? Sie haben einen Job, also üben Sie diesen auch richtig aus.

Ich habe diesen Monat bei der Filiale XY in Darmstadt als Aushilfe auf 450€ Basis angefangen. Ich habe noch keine Lohnabrechnung erhalten, auch habe ich meinen Arbeitsvertrag noch nicht unterschrieben zurückbekommen. Es wundert mich sowieso, warum Sie so viel über mich wissen wollen, obwohl ich als Studentin von Ihnen keinerlei Geld erhalte.

Mit freundlichen Grüßen

Die wütende Bürgerin

HartzIV-Betroffene werden schikaniert, sie werden um das Existenzminimum gebracht. Geholfen wird ihnen so gut wie gar nicht.

Die Bürgerin ist Studentin. Studenten werden gem. § 7 des SGB II von Hartz IV ausgeschlossen. Sie müssen Bafög bzw. Schülerbafög beantragen. Machen sie das nicht wird ihnen kein Existenzminimum gewährt. Unsere auf die KfB wütende Bürgerin bekommt weder Bafög noch Schülerbafög, sie jobbt sich durchs Leben.

Die Jobcenter haben gemäß § 52 des SGB II die Möglichkeit des Datenabgleiches. Hier findet sich jeder, der nur einen Cent Sozialabgaben zahlte. Hier erwischen die Jobcenter alle Schwarzarbeiter, die Sozialbeiträge leisteten und ihr Einkommen nicht der KFB meldeten.

Unsere auf die KfB wütende Bürgerin war im August 2017 tatsächlich beschäftigt. Aber damals bezogen weder ihre Mutter, mit der sie in einer Bedarfsgemeinschaft lebt, noch sie als Studentin einen Cent Sozialleistungen. Im Dezember 2017 entließ der Arbeitgeber aufgrund von Insolvenz seine Beschäftigten, darunter auch die besagte Bürgerin. Seitdem ist sie Studentin ohne Beschäftigung und ohne Bafög. Ihre alleinerziehende Mutter ist nun von HartzIV betroffen. Sie als Studentin ohne Bafög jedoch nicht. Sie wird von HartzIV ausgeschlossen.

Dies hindert die KFB seltsamerweise nicht daran, von ihr einen Arbeitsvertrag mit der in Insolvenz befindlichen Firma zu verlangen, sowie die Lohnabrechnungen von Januar bis Juni 2020.

Das muss nochmal genau ausgesprochen werden.

Die KfB möchte von der Tochter der Betroffenen Unterlagen von einer Firma haben, aus einem Zeitraum, in dem es diese Firma längst nicht mehr gibt. Ebenso verlangt die KfB von der Tochter Nachweise über den Zahlungseingangs eines Lohnes, den sie schon gar nicht mehr erhielt.

Man kann also mit Berechtigung sagen, dass ein Drittel der Arbeitszeit der Sachbearbeiter in der KfB, sowie anderer Jobcenter, nur der Schikane der Betroffenen dient. Wie dieser Fall wieder mal eindeutig zeigt.

Der REGE Vorstand

9 Jahre DIE REGE – eine Unterhaltung mit dem Gründer Werner Bischoff

Wie fühlt man sich nach 9 Jahren seit der Gründung der REGE?

Ich hätte nie gedacht, dass Freude und Leid in diesem Verein so nahe beisammen liegen

Was heißt das?

Freude über die Dankbarkeit der vielen Armen aus und um Reinheim. Mittlerweile kommen die Menschen aus dem gesamten Landkreis. Die Idee der REGE spricht sich herum

Leid über die vielen Schwierigkeiten und Probleme, die einem einige politisch Handelnde machten. Hartz IV wurde offensichtlich eingeführt, um behördenunabhängige Erwerbslosenstrukturen wie die REGE zu zerschlagen, um sie einer öffentlichen Kritik auszusetzen. Dazu gehört es auch, die Handelnden zu diskreditieren. Wenn man das alles in fast 10 Jahren erlebt hat, versteht man die Lage, um Menschen in Armut besser und man ist , das alles jahrelang ausgehalten zu haben.

Was unterscheidet die REGE von anderen Erwerbslosenstrukturen und gemeinnützigen Vereinen?

Es ist der Unterschied, ob man öffentliche Zuwendungen erhält, oder fast unabhängig von den Sozialbehörden ist. Die Ergebnisse der REGE in der Beratung sind völlig anders, als jene, die am Tropf der öffentlichen Hand hängen. Dementsprechend ist auch unserer Kritik an den herrschenden Zuständen auch viel vehementer. Behördenabhängige Strukturen müssen sich bei jeder Kritik darüber Sorgen machen, dass man ihnen einfach den Geldhahn zudreht, um sie zum Schweigen zu bringen. Wir sind darauf nicht angewiesen, also versucht man stattdessen, uns als illegal und inkompetent mundtot zu machen.

Wer kommt zu euch?

Zu uns kommen Menschen, bei denen es im übertragenen Sinne brennt, oder sie werden von Anderen zu uns geschickt,wenn diese selber nicht mehr weiter wissen. Die Hintergründe sind unterschiedlich. Das kann sein, wenn das Jobcenter 3 Monate für einen Erstantrag braucht, wenn nicht genügend Essen da ist, wenn der Vermieter fristlos gekündigt hat und der Stromanbieter abdrehen möchte, oder wenn die Krankenkasse keinen Versicherungsschutz mehr gewährt, weil die Beiträge nicht gezahlt wurden. Auch kommt es häufig vor, dass man in einem Minijob 150 € verdient, das Jobcenter aber 450 € anrechnet. Wir helfen bei vielfältigen, manchmal recht komplizierten Problemen.

Was konnte die REGE erreichen?

Seit dem Bestehen der REGE haben wir von der öffentlichen Hand fast eine halbe Million Euro zu ihren rechtmäßigen Empfängern zurückgeholt, welche das Jobcenter des Landkreises ihnen unrechtmäßig vorenthielt. Das geht natürlich nur mit anwaltlicher Unterstützung. Unser spektakulärster Fall waren 8000 €, welche eine Familie zurückbezahlt bekam. Ein anderes Mal wollte der Landkreis nicht zahlen, trotz der Entscheidung des Sozialgerichts, da ließ der Anwalt einfach den Dienstwagen des Landrats pfänden. Der Landkreis zahlte umgehend.

Wie soll es weiter gehen?

Wir haben bisher immer wieder einen funktionierenden Vorstand auf die Beine gestellt. Wir haben an die hundert aktive Vereinsmitglieder und viele Förderer. Das alles hilft uns, jährlich all denen zu helfen, die gar nichts mehr haben.

Hat die REGE etwas bewirkt?

Ich denke schon. Die Sachbearbeiter in der Abteilung Reinheim der KfB haben deutlich an rechtssicheren Bescheiden beigetragen. Das war in der Anfangszeit der REGE eine Katastrophe. Jeder zweiter Bescheid war so was von falsch. Dabei ging es oft um tausende Euros. Ein Sachbearbeiter musste durch unsere Arbeit sogar die KFB verlassen. Der übertrieb es maßlos mit den falschen Bescheiden und benachteiligte offensichtlich Reinheimer Bürger mit Migrationshintergrund.

Schafft die REGE noch das 10jährige ?

Definitiv. Aber danach müssen wir unseren Verein umkrempeln. Ich helfe und kämpfe auf der Straße für die Rechte der Menschen in Armut, so lange ich es kann. Dennoch hoffe ich, nach dem Zehnjährigen genügend Helfer zu finden, die in der Verwaltungsarbeit gegenüber dem Finanzamt oder dem Amtsgericht Verantwortung übernehmen