REGE: Wo ist der Schutzschirm für uns?

In einer Krise wird umverteilt, so auch in dieser Pandemie. Große Konzerne ergreifen dankend die Hand, die ihnen die Politik entgegenstreckt. Unternehmen wie Adidas zahlen trotz Millionengewinnen für ihre Filialen keine Miete mehr.

Doch wie wirkt sich die Pandemie in Reinheim und Umgebung bei den kleinen Leuten aus? Stimmt es, dass die Politik nicht nur Unternehmen retten soll, sondern auch die Menschen?

Schauen wir uns die Fälle aus Reinheim an:

  • Eine Studentin, die in drei Kneipen in Darmstadt jobbte. Mit diesem Einkommen, dem Trinkgeld und Bafög konnte sie in der WG ihre Miete zahlen. Jetzt sind die Kneipen sind geschlossen, Trinkgeld gibt es nicht mehr und Kurzarbeitergeld kann sie auch vergessen. Von was soll sie leben?
  • Eine alleinerziehende Mutter dreier Kinder reinigte für 10,50 € die Stunde ein Pflegeheim – in diesen Zeiten ein höchst gefährlicher Job für einen solchen Hungerlohn. Sie erhielt nur noch 200 € HartzIV und solle bitte Wohngeld und evtl. Kinderzuschlag beantragen. Seit 1. März wartet sie nun auf das versprochene Wohngeld. Die Wohngeldstelle ist derzeit mit zwei anstatt 12 Personen besetzt. Der Wohngeldbescheid ist noch immer unbearbeitet. Das Geld hat sie immer noch nicht. Von was soll sie leben?
  • Der von HartzIV betroffene Bürger nutzte die Tafel nahe Reinheim. Nun ist die seit Wochen geschlossen. Dort konnte er preiswerte Nahrungsmittel erstehen. Sein HartzIV wird noch zusätzlich mit 30 % sanktioniert. Von was und vor allem wo soll er einen Monat Essen und Trinken kaufen?

 

Das Schutzpaket des Staates hilft verarmten Menschen überhaupt nicht. Diese Verelendung wird ungeahnte Ausmaße annehmen – nicht nur in Reinheim – wenn wir nicht schnell und unbürokratisch helfen.

Die Menschen in Reinheim fragen völlig zurecht: „Wo ist der Schutzschirm für uns?“

 

DIE REGE

REGE: Vom Hörsaal zum Sozialamt

Eine Studentin aus Reinheim erzählte uns, ihr Vater muss auf Kurzarbeit umsteigen, ihr Nebenjob ist komplett weggefallen und sie hat kein Erspartes. Sie weiss nicht, wie sie im nächsten Monat Miete und Essen bezahlen soll.

Studenten gehören auch zu den Verlierern der Coronakrise. Mit BaföG (ca. 451 €) wird ihnen zugemutet, ihren Lebensunterhalt durch Nebenjobs zu gewährleisten. Sie arbeiten hauptsächl in Bars, Cafés und Restaurants. Durch die Coronakrise sind diese Jobs weggebrochen.

 

Aus HartzIV sind Studierende gem § 7 des SGB II ausgeschlossen. Wohnen sie bei den Eltern in Miete, kann aufstockend ein Beitrag für die Miete gewährt werden.(§ 27 des SGB II)

Mehr als zwei Drittel der knapp 2,9 Mio. Hochschüler in Deutschland gehen neben dem Studium einer Erwerbsarbeit nach und bestreiten so ihren Lebensunterhalt. Was soll nun unsere Reinheimer Studentin machen? Die Kneipen sind zu, die Cafes geschlossen – von was soll sie leben? Papi und Mami stecken selbst in finanziellen Nöten. Unsere Reinheimer Studentin muss nun sehen, wie sie über die Runden kommt. Mit den knapp bemessenen Bafög-Sätzen schafft sie es nicht, menschenwürdig zu leben und ihre Miete zu zahlen. Sie wird ohne Unterstützung ihter Eltern, Verwandten und Bekannten nicht über die Runden kommen. Der wahrscheinliche Schuldenberg am Ende des Studiums durch Rückzahlung der Bafög-Förderungsbeiträge stellt ein zusätzliches Problem für die dar.

Kindern aus einfachen Verhältnissen wird es unter diesen Bedingungen immer schwerer gemacht ein Studium zu beenden.

 

DIE REGE

REGE: Schlechtes Timing ist gleich Sozialbetrug

Was dieser Familie aus Vater, Mutter und ein Jahr altem Kind widerfahren ist, wünscht man nicht mal seinem ärgsten Feind. Hier zeigt sich deutlich die Ohnmacht der HartzIV-Betroffenen. Aber es geht auch anders. Man bedenke, wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt.

Was ist geschehen?

Diese Familie aus drei Personen wohnte in einer 45 Quadratmeter großen Dachwohnung in einer Reinheimer Nachbargemeinde. Zum 1. August 2019 war eine Wohnung in Reinheim in Aussicht. Nun, im Sommer 2019 gab es eine fast unerträgliche Hitzewelle. Die Mutter brachte ihr Kind abends zur der in Reinheim lebenden Mutter und holte es morgens ab. Manchmal ging man noch zur Abkühlung in das Reinheimer Schwimmbad. Der Vater nahm ganztägig an Schulungen teil.

Gerade während dieser Zeit erschien bei ihnen dreimal der Außendienst des Jobcenters Darmstadt- Dieburg – und traf dreimal niemand in der Wohnung an. Als ein Nachbar vorschnell sagte, er glaube, die wohnen nicht mehr hier, nahm die Katastrophe ihren Lauf.

Nun sperrten übereifrige Sachbearbeiter der KfB der Familie die gesamten Zahlungen, ganz besonders wurde ab Juli 2019 keine Miete mehr gezahlt.

Die Mutter kam weinend zur REGE. Was habe man verbrochen? Sie sei immer bis zur Geburt des Kindes arbeiten gegangen. Die Familie hat kein Geld für Essen und kann nicht einmal Milch für das Kind kaufen. Den Höhepunkt der Unmenschlichkeit machte die KFB, als man die Familie bei der Polizei des Verdachtes des Sozialbetruges nach dem Strafgesetzbuch § 263 anzeigte. Eine der REGE bekannte und sehr tüchtige Sozialanwältin aus Reinheim war sprachlos über die Vorgehensweise des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Zeilen steht eine Klage vor dem Sozialrecht gegen den Landkreis noch bevor.

Die Miete Juli 2019 wurde trotz aller Widersprüche bis heute immer noch nicht gezahlt.

Aber die Kosten zweier Anwälte über je ca 300 €, um sich gegen den Verdacht des Sozialleistungbetrugs zu wehren, müssen von den HartzIV betroffenen Eltern bezahlt werden. Die REGE hilft auch hier, soweit es dem Verein möglich ist.

Und der ganze Ärger nur, weil nach mehrmaligen Nichtantreffen das Jobcenter einfach behauptete, die Leute wohnen nicht mehr dort, haben ihre Wohnung an Andere vermietet und das Geld kassiert. Ein untragbarer Vorwurf, der sich nicht hinreichend belegen lässt.

 

DIE REGE

REGE: Ich danke der REGE

Ich bin eine 42 Jahre alte, geschiedene Mutter von vier Kindern.

Ich ging die letzten drei Jahre durch die Formalitätenhölle der Behörden. Dazu kam noch die Scheidung, meine pubertierenden Kinder, die Weigerung der Behörde die Mieten zu zahlen, eine permanente finanzielle Not und teilweise war ich selbstmordgefährdet – ohne die REGE hätte ich das nicht geschafft.

 

Bei uns ging es oft um die nackte Existenz. Stromabschaltungen und Leistungseinstellungen drohten. Mein Reinigungsjob für 10,80 € die Stunden (3 Stunden am Tag) machte mich noch ärmer, denn die Kreisagentur für Beschäftigung zog mir das verdiente Geld vom Regelsatz noch ab.

Alleingelassen stand ich den kompliziertesten Formularen der Familienkasse, des Jobcenters und des Jugendamtes gegenüber. Dazu kam der Druck seitens des Kindergartens und meines Vermieters …

Zwei meiner Kinder (die heute 21 und 15 Jahre alt sind) fanden in der Schule und im Berufsleben keinen Anschluss. Meine 15 Jahre alte Tochter wurde nun in eine Jugendgruppe des Jugendamtes eingewiesen. Jetzt fehlt mir zweimal das Kindergeld. Die Miete, welche das Jobcenter für meine viel zu große Wohnung zahlt, wird mir jeden Monat am Hartz IV wieder weggekürzt. Eine Wohnung mit einer Kaltmiete von 450 €, die groß genug für drei Personen ist, finde ich nicht.

 

Ich mußte Formulare ausfüllen, die unglaublich komplex sind, fast schon unverständlich. Ich verstand die nicht – und so geht es auch ganz vielen Menschen, die ich kenne.

Deswegen danke ich der REGE.

Ihr seid die Anlaufstelle für alle Bürger, die Hilfe im HartzIV benötigen. Ihr werdet gebraucht, denn HartzIV ist ein wahres Bürokratiemonster.

REGE: Achtsam sein, ohne Panik

Die Hilfebedürftigen aus Reinheim und Umgebung brauchen uns.

Wir werden auch diese Pandemie überleben.

Ja, sie wurde zu einem Politikum erklärt, um sehr wahrscheinlich von anderen, wichtigen Dingen abzulenken. Die Weltwirtschaft wird sich verändern – sehr dramatisch für viele Menschen.

Nur weil jemand dem jahrelang bekannten Virus einen Namen gab, macht es das nicht gefährlicher als tausend andere unbekannte Viren, die den Globus überziehen.

 

Die Verantwortlichen der REGE sind im Umgang mit Menschen achtsam und nicht in Panik.

Wir halten unsere Hilfsangebote trotz aller Hektik aufrecht.

Zügelt die Angst mit Vernunft – die Panik mit Geduld.

Die REGE hilft auch weiterhin mit gewissem Abstand und großer Hilfebereitschaft.

 

Der REGEvorstand

REGE: Wie der Landkreis an Reinheimern in Armut spart

Zwei Personen erhalten in Reinheim laut den angeblich angemessenen Höchstgrenzen des Landkreises Darmstadt-Dieburg 383,40 € Kaltmiete. Alles darüber müssen sie von ihren ohnehin knappen HartzIV-Regelsätzen noch begleichen. Eine solch angeblich angemessenen Miete gibt es in Reinheim so gut wie gar nicht. Stattdessen muss immer mehr aus den niedrigen Regelsätzen draufgelegt werden. Hier nichts zu ändern ist unsozial, unsolidarisch und bestraft diejenigen, die auf dem Wohnungsmarkt keine angeblich angemessenen Wohnungen finden können.

Wer sich jedoch – meist mit anwaltlicher Hilfe – bis zum Sozialgericht in Darmstadt durchkämpft, erhält 567,60 € Kaltmietnebenkosten nach den Wohngeldgesetzen(§ 12). Diese wurden ab 1. Januar 2020 erheblich erhöht. Reinheim gehört zur Mietstufe III. Das Sozialgericht Darmstadt verweigert sich der Art und Weise, wie der Landkreis Darmstadt-Dieburg seine Kaltmieten ermittelt. Laut Sozialgericht sind diese angeblich angemessenen Mieten für die Reinheimer in Armut viel zu niedrig und nicht schlüssig erarbeitet.

Die Differenz zwischen dem, was der Landkreis den Menschen in Armut zumutet und was ein deutsches Sozialgericht sagt, beträgt immerhin 184,20 € pro Monat. Es lohnt sich also, den Kampf gegen den Landkreis aufzunehmen. Die REGE wird Ihnen dabei helfen. Wir zeigen Ihnen, wie man ein Wohnungssucheprotokoll führt. Wir helfen Ihnen dabei, einen Widerspruch zu formulieren. Wir bringen Sie zu Anwälten.

 

Reinheimer in Armut verdienen es, dass die vollen Kaltmieten vom Landkreis übernommen werden. Der Wohnungsmarkt ist längst überlastet. Es gibt kaum noch Wohnraum für Menschen in Armut. Und es ist unmoralisch, unsozial und ungerecht, für Millionen Euro seine Kreisverwaltung verlegen zu wollen, es ist unmoralisch 1,7 Mio. Euro inklusive Folgekosten für drei hauptamtliche Kreisbeigeordnete auszugeben, und gleichzeitig Menschen in Armut den letzten Cent ihrer Grundsicherung durch falsch berechnete Mieten zu rauben. Die REGE wird dieses Thema weiter verfolgen. Selbst wenn es wieder von Kleinen Koalition aus SPD, Grünen und FDP abgeblockt wird.

Und für Euch gilt: Wer in seinem Bescheid unter der Rubrik nicht anerkannte Mietkosten einen Betrag stehen hat, der soll sich mit der REGE in Verbindung zu setzen. Kontaktdaten stehen im Blog.

Wir helfen.

Der REGEvorstand

REGE: 13520 Euro für Solidarität…

13520 Euro, in Worten: Dreizehntausendfünfhundertzwanzig Euro, verteilte die REGE am 1. Advent 2019 an hilfesuchende Bedürftige vor dem Lajos Markt in Reinheim in Form von Gutscheinen. Ca. 600 Menschen in der Grundsicherung konnten wir auf diese Weise helfen. Und das trotzdem nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ein kleiner Trost, eine kleine Hilfe für einige Reinheimer. Unzählige Unterstützer halfen uns bei dieser Aktion. Ein kleines Dankeschön kurz vor Weihnachten. Solidarität, statt Eigensinn. Hilfe, statt Diffamierungen gegenüber verarmten Menschen, denn diese haben es nicht einfach. Sollen von Regelbedarfen leben, die sich die Normalbürger kaum vorstellen können.

Ein ehrenamtlicher und unabhängiger Verein wie die REGE bedeutet viel Hintergrundarbeit. Seit 2011 geben 30 Vorstandsmitglieder ihre Freizeit, Mühe und Selbstlosigkeit an die REGE. Heute sind dies Werner Bischoff, Brigitte Manns, Friedrich Kammer, Helmut Ortgies(Gr. Zimmern), Klaus Dieter Schmidt, Bernd Krause (Groß Bieberau), Willi Bischoff (Brensbach) und Gisela Greiner (Ober Ramstadt). Sie engagieren sich in der Rege, weil sie selbst von diesem nie dagewesenen Sozialabbau in Deutschland betroffen sind und den Umgang ungerecht empfinden, oder weil sie aus Zeiten stammen, in denen nach jahrelanger Arbeit eine gute Rente und bei Arbeitslosigkeit ein menschenwürdiges Leben garantiert wurde. Niedriglöhne gab es damals nicht. Die Agenda 2010 mit den Hartz-Gesetzen ebenso nicht. Das ist heute nicht mehr der Fall. Heute ist die REGE in Reinheim ein anerkannter Verein mit vielen Freunden und Gönner. Über die Notwendigkeit eines solchen Vereines, auch über die Grenzen Reinheim hinaus, gibt es keine Zweifel.

Der REGEvorstand traf sich am 27.02.2020 zur Vorstandsitzung, um die Zukunft vorzubereiten. Dies steht für 2020 auf dem Plan:

  • Die REGE möchte Antrieb der Gründung einer Reinheimer Tafel zusätzlich zu der in Groß Bieberau sein.
  • Die REGE möchte die Verbindungen zu Landrat Schellhaas und Bürgermeister Feick (beide SPD) nicht abbrechen lassen. Gespräche mit sind geplant.
  • Die REGE soll am 30. April 2020 im Kühlen Grund in Reinheim bei einem Vortrag zum Tag der Arbeit besonders hervorgehoben werden.
  • Die REGE plant am 11. Juni 2020 in der Grillhütte Überau gemeinsam mit DER LINKEN Darmstadt-Dieburg einen Grilltag
  • Die REGE plant einen Suppenküchentag in Reinheim. Wir wollen hier auf die skandalös niedrigen Regelbedarfe öffentlich aufmerksam machen.

Und wir machen weiterhin noch eine fast tägliche Sozialberatung gegen nicht rechtssichere Bescheide, helfen beim Ausfüllen der Anträge und vermittelt zu einer engagierten Anwältin im Sozialrecht. Reinheim hat viel zu bieten. So viel Solidarität wie in Reinheim gibt es sonst an keinem anderen Ort.

Wollen Sie nicht mitmachen?

 

DER REGEVORSTNAND

REGE: Verhindert der Landkreis die Integration von Reinheimer Flüchtlingen?

Im November 2019 beschloss der Kreistag (siehe Vorlage 2633-2019) gegen die Stimmen der Freien Wähler und DER LINKEN eine Gebührenerhöhung von erwerbstätigen Flüchtlingen in Gemeinschaftsunterkünften, von bisher 194 € auf aktuell 410 € pro Flüchtling. Dies war nur möglich dank einer landesweiten Regelung der Hessischen Landkreisordnung – zuletzt geändert mit dem Gesetz über kommunale Abgaben in Hessen. Die Asylkreise Reinheim und Pfungstadt haben der Kreisverwaltung bereits ihren Ärger darüber kundgetan. Für die Gemeinschaftsunterkunft z.B. am Sportzentrum 1A ergäbe dies bei einer Standardbelegung (zwei Personen auf 15m ²) einen Preis von 54,66 € pro Quadratmeter. HartzIV-Betroffene bekommen in Reinheim für eine 50 m ² große Wohnung für eine Person eine Kaltmiete von 360 €, also 7,20 € pro Quadratmeter.

Diese Erhöhung zum 1. März widerspricht den Integrationsbemühungen, weil sie den Anreiz zur Erwerbstätigkeit erschwert. Hier wird die soziale Notlage der Flüchtlinge ausgenutzt, denn auf dem freien Wohnungsmarkt ist kaum eine Wohnung zu diesem Preis zu haben. Diese Regelung zum 1. März diesen Jahres ist äußerst unsozial und entspricht nicht den Wertvorstellungen, unter welchen die meisten Bürger aus Reinheim mit Geflüchteten leben wollen.

Die Kreisverwaltung behauptet, diese Erhöhung in Reinheim und an anderen Standorten sei nötig, da in den 410 € auch die Kosten der Sozialarbeit zu berücksichtigen seien. Dem widersprechen die Asylkreise Reinheim und Pfungstadt, sowie DIE LINKE Da/Di massiv. Die Sozialarbeitskosten der Grundsicherungsempfänger werden bekanntlich auch nicht auf die Miete umgeschlagen.

DIE LINKE argumentierte im Kreistag, dass die Nutzungsgebühr auf dem Rücken arbeitswilliger Geflüchteter verdoppelt werde. Die erwerbstätigen Geflüchteten sollen so zum Bauernopfer im Finanzpoker zwischen Bund, Land und Landkreis werden. Für eine Familie mit zwei Kindern bedeutet dies eine Nutzungsgebühr von 1640 €, wohlgemerkt für ein Mehrbettzimmer in Gemeinschaftsunterkünften. Die LINKE sagt, ein solches Vorgehen an Flüchtlingen sei Mietwucher in Reinkultur und völlig asozial. Kostendeckung könne nicht das Ziel sein, wenn es um die Eingliederung von Geflüchteten in unserer Gesellschaft geht.

Wie immer wurde dieser Antrag der LINKEN im Kreistag Da/Di von SPD, den Grünen, der FDP und der CDU abgelehnt. Die Geflüchteten in Reinheim werden die Leidtragenden sein.

 

Der REGEvorstand

REGE: Flugticket nach Nigeria?

Die REGE freut sich über jede Spende, die dabei hilft, Bedürftigen in Notlagen zu helfen – egal wie hoch der Betrag ist, den sich Spender*innen leisten können. Wenn mehrere Jahre hintereinander mehrere 100 EUR kommen, und dann plötzlich nichts mehr, fällt das natürlich auf. Wir werden niemandem in die Entscheidung reden, ob die REGE oder ein anderer Verein mit einer Spende bedacht wird. Aber falls jemand mit der REGE unzufrieden sein sollte, möchten wir das natürlich auch gerne wissen. Deswegen fragen wir in solchen Fällen auch mal nach, falls sich die Gelegenheit ergibt.

 

Letztens erhielten wir da eine sehr überraschende Antwort: angeblich solle die REGE die Flugkosten einen Nigerianers bezahlt haben. Dafür werde nicht gespendet.

Uns ist darüber nichts bekannt. Möglicherweise ging es um folgenden Fall: 2017 wurde die REGE um Rat gefragt, weil einer Flüchtlingsfrau die Sozialleistungen gekürzt wurden. Sie war nach Nairobi, welches im Staat Kenia liegt, gereist, um ihre Tochter zu sich zu holen, und hatte sich nicht abwesend abgemeldet. Grund für ihre überstürzte Abreise war die bevorstehende Beschneidung der Tochter, soll heißen, Genitalverstümmelung – eine Unsitte, welche in afrikanischen Staaten immer noch praktiziert wird und ein klarer Asylgrund.

Die REGE half der Frau dabei, gegen diese Sanktion Widerspruch einzulegen, was am Ende auch zum Erfolg führte. Die REGE leistete keinerlei finanzielle Unterstützung damals, die Frau bestritt die Reise aus ihren eigenen Mitteln.

 

Um Nigeria ging es bestenfalls entfernt bei einem Fall von 2015: damals half die REGE einem Mann aus Nigeria, von dem die KfB aufgrund eines internen Fehlers Geld zurückforderte. Auch hier wurde keinerlei finanzielle Unterstützung geleistet, eine wie auch immer geartete Reise fand nicht statt.

Als gemeinnütziger Verein ist die REGE dazu verpflichtet, nachzuweisen, was mit dem gespendeten Geld geschieht. Wer das wissen möchte, kann sich jederzeit direkt an den Vorstand wenden – da wird man eher und ehrlicher eine Auskunft erhalten, als in einer Gerüchteküche. Es gibt nur eine Einschränkung: die Menschen hinter den Fällen werden als vertraulich behandelt.


Der REGEvorstand

REGE: Die Bedeutung des Jugendamts

Die Bedeutung des Jugendamts, sowie des allgemeinen sozialen Dienstes (ASD) wird sehr unterschätzt, denn sie haben eine wichtige Aufgabe in unserer Gesellschaft. Einerseits werden sie häufig öffentlich kritisiert. Andererseits haben sie in einer zwischen arm und reich gespaltenen Gesellschaft das Recht der Kinder und der Mütter zu beachten. Sie werden daran gemessen, dass man nicht nur verantwortlich ist das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut. In der Regel fehlt es diesen Ämtern an finanziellen Ressourcen und Fachkräften. Erlebt man, was die REGE in der letzten Zeit in Reinheim wahrnahm, so erkennt man schnell, welch immense Bedeutung Jugendamt und ASD haben.

 

  • Fall Eins: Die Eltern sind beide im Drogenprogramm (d.h. sie sind beide drogenabhängig, befinden sich aber in einer Substitutionstherapie). Sie haben zwei Kinder und gerade wegen den Kindern hielt sich die Mutter streng an die Methadonvorgaben der Ärzte. Als das Jugendamt ihnen beide Kinder entzog, bestand eine massive Gefahr des Rückfalls in alte Drogenprobleme. Diese Familie suchte Hilfe bei der REGE. Dort war klar, hier braucht es anwaltliche Hilfe, um mit dem Jugendamt vernünftig zu reden. Dank eines engagierten Anwaltes und dank der Jugendhilfe gelang es, ein Kind wieder in die Familie zurückzuholen. Dies stabilisiert die fragile Lage in dieser Familie noch bis heute.

 

  • Fall Zwei: Eine drogenabhängige, alleinerziehende Mutter konnte ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen. Sie stahl ihren Lebensunterhalt in verschiedenen Kaufhäusern. Sie wurde verurteilt und vor die Wahl gestellt: mehrjährige Haftstrafe oder 220 Stunden gemeinnützige Arbeit bei der REGE. Trotz großer Nachsicht konnte diese alleinerziehende Mutter nicht lange bei der REGE beschäftigt werden. Unzuverlässigkeit und Unpünktlichkeit brachten die Trennung. Der Vermieter warteten vergeblich auf die Miete, das Jobcenter stellte irgendwann die Leistungen ein. Nun kam, was kommen musste: Die Staatsanwaltschaft inhaftierte die Mutter. Das Kind kam in die Obhut des Jugendamtes und lebt nun bei Pflegeeltern.

 

  • Fall Drei: Die alleinerziehende Mutter eines Kindes ist erkrankt. Sie lebt in Messie-Zuständen, hat kaum Hilfe seitens ihrer Eltern, und der Vater des Kindes wandte sich von Mutter und Kind ab. Von Februar 2019 bis Februar 2020 war die Mutter nicht in der Lage, den Unterhaltsvorschuss (UVG) beim Jugendamt zu beantragen, wegen Überforderung, Hoffnungslosigkeit und permanenten Streitereien mit dem Kindsvater. Im Februar 2020 stellte das Jobcenter die Leistungen ein. Entweder sie beantrag nun das UVG bei dem Jugendamt, oder es gibt kein Geld mehr. Das Jugendamt schaut mit wachen Augen auf diese Mutter und ihr Kind, denn das Amt hat die Federführung in Kinderschutzfällen. In § 1 Abs. 1 des SGB VIII sichert das Gesetz jedem jungen Menschen das Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer verantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu.

Es wird viel über die Jugendämter gesprochen, ohne über ihre realen Arbeitsabläufe zu wissen. In diesem Landkreis leben ca. 20 Prozent der Kinder in alleinerziehenden Haushalten (in Reinheim sind es 16,1 Prozent) und diese Kinder sollen von 2,88 € pro Tag Ernährungsanteil leben. Gerade unter diesen Umständen müssen Jugendämter hellwach sein.